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Staats- und Universitätsbibliothek Bremen

Rahmenprojekt EnSan
Staats- und Universitätsbibliothek Bremen

Die sanierte Unibibliothek Bremen.

© Staats- und Universitätsbibliothek Bremen

Gebäudesteckbrief

Projektstatus Evaluiert
StandortBibliotheksstraße 1, 28359 Bremen, Bremen
Baujahr1973
Saniert2004
BauherrStaats- und Universitätsbibliothek Bremen (+ Betreiber, Nutzer)
InvestorZukunftsinvestitionsprogramm (ZIP)
Bruttogrundfläche27.429 m2
Beheizte Nettogrundfläche25.011 m2
Bruttorauminhalt118.972 m3
Hauptnutzfläche20.794 m2
A/V vor Sanierung0,19 m2/m3
A/V nach Sanierung0,19 m2/m3
Schwerpunkte

Projektbeschreibung

Die Bibliothek aus dem Jahre 1975 bietet neben den Präsenzbereichen auch Verwaltungsräume, Werkstätten und einen Vortragssaal. Entsprechend der damaligen Auffassung von Komfort und thermischer Behaglichkeit wurden sämtliche Gebäudeflächen maschinell klimatisiert. Typisch für die Bauzeit ist auch die Fassade mit Festverglasung. Der Grundriss ist nahezu quadratisch angelegt und entwickelt sich über 5 Ebenen. Die großzügige Präsenzfläche führt zwangsläufig zu großen und tiefen Räumen. Dadurch ist das Gebäude aber auch sehr kompakt. Der Bau ist als Stahlbetonskelettbau mit Vorhangfassade ausgeführt. Die feinteilige vertikale Gliederung dieser Fassade wird von der Universität als markantes Gestaltungselement angesehen, weshalb für die Sanierung ihr Erhalt gefordert war. Alle Maßnahmen mussten bei laufender Nutzung durchgeführt werden.

Sanierungskonzept

Die sehr hohen Energiekosten der Universität erforderten eine erhebliche Energieeinsparung. Es sollten mehr als 50% des ursprünglichen Primärenergiebedarfs eingespart werden. Daneben klagten Bibliotheksnutzer wiederholt über das Raumklima, unausgewogene Beleuchtung, nicht zu öffnende Fenster, fehlende Beeinflussungsmöglichkeiten sowie einen permanenten Geräuschpegel aus der Klima- und Lüftungsanlage. Eine Modernisierung sollte diese Probleme ebenfalls lösen. Für den Bauherren war entscheidend, trotz reduzierter Klimatechnik ganzjährig ein angenehmes Innenraumklima zu sichern. Neben der energetischen Sanierung sollte der Eingangsbereich umgestaltet und die Innenausstattung sowie die technische und rechentechnische Ausstattung der Arbeitsbereiche modernisiert werden. In den Verwaltungsräumen wurden Fenster eingebaut, die zu öffnen sind. Das verwendete neutrale Sonnenschutzglas (g=0,38) in Kombination mit den vorhandenen Sonnenschutzelementen gewährleistet den sommerlichen Wärmeschutz. Die Wärmedämmung der Dachflächen wurde verbessert.

Energiekonzept

Eine bedarfsgerechte und damit energiesparende Regelung von Heizung, Kühlung und Lüftung unterschiedlicher Bereiche war mit der alten Klima- und Lüftungsanlage nicht möglich. Im Zuge der Sanierung wurde das ursprüngliche Nur-Luft-System aufgelöst und durch drei voneinander unabhängig regelbare Anlagen für Heizung, Lüftung und Kühlung ersetzt. Außen liegende Räume werden jetzt natürlich be- und entlüftet. Den Mindestluftwechsel für die innen liegenden Räume sichert eine kleine regelbare Klimaanlage mit Enthalpie-Rückgewinnung. Heiz- und Kühlenergie werden jetzt durch das Medium Wasser transportiert. Im Bereich der Glasfassaden wurden konventionelle Heizkörper nachgerüstet, so dass auf die Fensterblas-Anlage verzichtet werden konnte. Nachts und am Wochende können die raumlufttechnischen Anlagen nahezu vollständig abgeschaltet werden. Die im Gebäudeinneren anfallenden höheren Wärmelasten werden jetzt mit Raumkühlgeräten ausgeglichen, deren Kaltwasser teils über freie Kühlung erzeugt wird. Die Abwärme wird gleichzeitig mittels Wärmeübertrager zur Außenluftvorwärmung genutzt. Trotz deutlich angehobener Beleuchtungsstärken konnte die Anschlussleistung der Beleuchtung durch effizientere Technik um ca. 40 % reduziert werden. Der Wärmeschutz des Gebäudes wurde durch Verglasungsaustausch und Dachdämmung deutlich verbessert.

Performance

Die Betriebserfahrungen aus dem ersten Jahr nach der Sanierung zeigen: Der Primärenergieverbrauch konnte von 831 kWh/m²a in 2002 auf 230 kWh/m²a, also um rund 70%, reduziert werden. Eine sozialwissenschaftlich begleitete Nutzerbefragung attestiert eine deutlich höhere Zufriedenheit der Nutzer als vor der Sanierung.

Optimierungsmaßnahmen und –möglichkeiten

Aufgrund anlaufender Maßnahmen zur Betriebsoptimierung wird im zweiten Betriebsjahr (2006) eine noch höhere Gesamtenergieeinsparung erwartet. Bis Mitte 2007 sind Evaluierung und Optimierung abgeschlossen.

Baukosten und Wirtschaftlichkeit

Die energetische Sanierung kostete 7,24 Mio. Euro. Ein großer Teil wurde durch das Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) finanziert. Für den Eigenanteil der Universität waren zunächst im Haushalt keine Investitionsmittel vorhanden. Die Idee, die Gesamtfinanzierung über einen Performance-Contracting-Vertrag zu ermöglichen, verwarf der Bauherr aber nach eingehender Prüfung. Stattdessen wurde ein Kommunaldarlehen aufgenommen, dessen Tilgung über die zukünftige Haushaltsentlastung durch die Energiekostenreduzierungen erfolgt. Die Universität schlüpfte dabei selbst in die Rolle des Contractors – übernahm die Risiken, aber auch die wirtschaftlichen Chancen eines solchen Verfahrens („Intracting“). Weil die Einsparprognosen sogar übertroffen werden konnten und die Energiepreise höher als kalkuliert liegen, geht die Rechnung bislang voll auf.

Energiekennzahlen

Energiekennzahlen nach EnEV (in kWh/m2a)vor Sanierungnach Sanierung
Heizwärmebedarf85,00
Primärenergie gesamt329,00
Gemessene Energiekennwerte (in kWh/m2a)vor Sanierungnach Sanierung
Heizwärmeverbrauch259,0047,00
Primärenergie gesamt831,00250,00
Strom Beleuchtung35,00
Strom RLT33,00
Wärme Raumheizflächen34,00
Wärme RLT13,00
Kälte7,00

Kosten für die Sanierung

Sanierungskosten in €/m2
Gesamkosten467
Energetische Sanierung Hochbau69
Energetische Sanierung Technik171
Modernisierung, Ausstattung226

Hierbei handelt es sich um eine/n Kostenfeststellung, Daten bezogen auf Bruttogrundfläche BGF

Kosten für den Betrieb

(Angaben sind bezogen auf Hauptnutzfläche)

Betriebskosten in €/m2avor Sanierungnach Sanierung
Energiebezug gesamt23,757,70
Heizung7,101,28
Strombezug gesamt13,386,01
Beleuchtung3,862,42
Lüftung/Kühlung/Kälte11,152,64

Zusätzliche Informationen:

Wissenschaftliche Begleitung, Evaluierung
Hochschule Bremerhaven Studiengang Versorgungstechnik und Anlagenbetriebstechnik
Wissenschaftliche Beratung
Schiller engineering
Evaluierung
ttz Bremerhaven
Generalplanung, Fachplanung TGA
RCI GmbH
Architektur
HJW+Partner Architekten und Ingenieure
  • Thermographie vor der Sanierung - UniBib Bremen
  • Lichtsituation vor Sanierung - UniBib Bremen
  • Innenansicht mit neuer Beleuchtung
  • Fassade der Unibibliothek Bremen
  • Licht Unibibliothek Bremen
  • Die grundsanierte Unibibliothek Bremen