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24. Okt 2016 - Erwartungen der Hotelgäste erfüllen und Betriebskosten senken

Rahmenprojekt EnSan
Hotel Workshop 2016 am 20. 10. 2016 in München

Ausführliche Beschreibung

Das EnOB-Modellprojekt „Sanierung zum nachhaltigen Hotel mit dezentralem Technikkonzept“ endet 2016 und damit die wissenschaftliche Evaluierung von Energiekonzept und Gebäudebetrieb. So konnten im Workshop wichtige Ergebnisse vorgestellt werden. Das besondere Technikkonzept mit 47 kleinen Wärmepumpen, dezentral in den Zimmern installiert, konnte sich grundsätzlich mit einer guten Performance behaupten. Es wurden aber auch einige kritische Punkte identifiziert, die es noch zu optimieren gilt, damit das innovative Konzept in größerer Breite eingesetzt werden kann. So ist insbesondere der Bedarf an Hilfsenergie zu groß. Sie wird für die Verteilung der Wärme auf niedrigem Temperaturniveau benötigt. Weiterhin zeigt sich die energetisch grundsätzlich vorteilhafte Flächenheizung und –Kühlung in der Nutzung im Hotel als problematisch. Deren thermische Trägheit deckt sich nicht mit der Erwartungshaltung der Gäste, die eine schnelle Reaktion auf ihre Raumkomfortwünsche als selbstverständlich erachten. Diese und weitere Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung des Systems einfließen.

Mehr Details zum Gebäude- und Energiekonzept des Hotels …

 
Von der Universität Wuppertal wurden die begleitenden Forschungsarbeiten zum dena-Projekt „Check-In Energieeffizienz“ vorgestellt. Das seit 2015 laufende Modellvorhaben begleitet und unterstützt die über 30 teilnehmenden Hotels und Herbergen bei der Evaluierung und Optimierung der Energieverbräuche. Die Universität Wuppertal betreut das begleitende Monitoring dieser Gebäude. Die Ergebnisse werden aufgrund der großen Zahl der Gebäude zur wichtigen Grundlage für die künftige Betrachtung und Optimierung von Gebäuden diesen Typs. Denn Hotels weisen weiterhin deutschlandweit einen relativ hohen Energieverbrauch auf, nur vergleichbar mit anderen Gebäudetypen wie Schulen oder Krankenhäuser.

Im Rahmen des Workshops wurden insbesondere die Eigenheiten und Herausforderungen der Energieeffizienz(-Maßnahmen) in Hotels diskutiert, auch wie diese einbezogen bzw. gelöst werden können. Bekannt und belegt ist, dass Energiekosten einen vergleichsweise hohen Anteil am Gesamtumsatz ausmachen. Im Durchschnitt betragen diese 5 bis 8%, teils bis über 10%. Die Motivation in Energieeffizienzmaßnahmen zu investieren ist nicht sehr hoch, offensichtlich gibt es bei den Hotelbetreibern nur eine geringe Affinität zu den Themen Technik, Energieverbrauch und Einsparpotenziale. So gibt es beispielsweise in Hotelfachschulen im Curriculum kein Themenfeld Energie. Also sind konkrete Anreize und verständlich aufbereitete Informationen, wie beispielsweise Leitfäden mit detaillierten Angaben zur Wirtschaftlichkeit von Umbauten, stimmigen Maßnahmenpaketen samt jeweiligen Kosteneinsparpotenzialen und in der Praxis erreichten Umsatzsteigerungseffekten notwendig. Zudem bedarf es einer persönlichen Ansprache der Hoteliers als Entscheider.

Ein Gastbeitrag für das Projekt „Leuchtturm“ aus der Schweiz zeigte, wie ein solcher Anreiz geschaffen werden kann: Ein pauschal erhobener Energiekostenzuschlag wird den Hotels zurückerstattet, sofern sie an einem Beratungs-, Audit- und Optimierungsprogramm erfolgreich teilnehmen. Auch hier war die persönliche Ansprache der Hotels für die Teilnahme notwendig, sie resultierte jedoch aufgrund der leicht verständlichen Rückerstattung in einer sehr hohen Teilnahmequote.

Ein weiterer wichtiger Punkt war das Thema Erwartungshaltung der Gäste mit Blick auf Technik und Energieeffizienz. Da Hotels wirtschaftlich direkt von der Zufriedenheit ihrer Nutzer abhängig sind, müssen Effizienzmaßnahmen diese Erwartungshaltung besonders berücksichtigen. Dazu muss sie – zu Projektbeginn – überhaupt erst konkret definiert werden. Künftige Forschung muss hierauf ein besonderes Augenmerk legen.

Auch wenn einige Akteure aus der Praxis (technische Leiter von Hotels) kurzfristig nicht teilnehmen konnten, so hat sich die Bedeutung eines solchen Forums in kleiner, informeller Runde bestätigt. Dabei war insbesondere der offene Dialog zwischen Forschung und Praxis bemerkenswert. Nach dem Abschluss des Münchner EnOB-Modellvorhabens "Hotel am Viktualienmarkt" werden mit dem Projektschlussbericht zahlreiche, wichtige Detailergebnisse zu einem innovativen technischen Konzept vorgelegt (in Kürze hier erhältlich). Die bereits gestartete wissenschaftliche Begleitung des dena-Modellvorhabens erfolgt ebenfalls im Rahmen der Forschungsinitiative EnOB. Sie soll dazu beitragen, Erkenntnisse aus einer größeren Anzahl von Hotels- und Herbergen aufzubereiten und Querschnittsaspekte praxisnah zu vertiefen. Dazu tragen neben den Hotels aus dem dena-Modellvorhaben auch weitere engagierte Hotelbetreiber bei, die sich für eine vertiefte Analyse ihrer Verbrauchsdaten interessieren. Interessenten können dazu mit der Universität Wuppertal Kontakt aufnehmen: Prof. Karsten Voss, kvoss(at)uni-wuppertal.de.

Die Veranstaltung wurde von den Hochschulen Wuppertal und Rosenheim organisiert.
 


Zusätzliche Informationen: