Navigationsabkürzungen:

Hauptinhalt:

All-Electrical-World?

 

Häuser, die allein mit Strom betrieben werden, liegen neuerdings im Trend. Dies gilt besonders für Nullenergiegebäude & Co. Sie benötigen kein Öl, kein Gas, kein Wärmenetz und auch keine Biomasse. Doch überzeugt Strom im Wärmemarkt ökologisch und ökonomisch wirklich? Steuern wir auf eine „All-Electrical-World“ zu? Das hochrangig besetzte Podium sollte Antworten finden zu dieser Frage. Die Diskussion bewegte sich zwischen heftiger Kontroverse und Einigkeit. Denn schließlich wurde ein Akteur identifiziert, der bei der Energieversorgung von Gebäuden und Siedlungen moderieren und steuern muss …

Die experimentellen Wohngebäude im Wettbewerb Solar Decathlon Europe brauchen extrem wenig Energie. So können sie allein über die Sonne mit Strom und Wärme versorgt werden. Für den gebäudeübergreifenden Energieaustausch setzt man hier allein auf den Energieträger Strom – fossile Energieträger und Wärmenetze werden nicht mehr gebraucht. Doch sind solche „Nur-Strom-Gebäude“ auch ein Modell für unsere Städte? Das sollte in der Podiumsdiskussion geklärt werden: Unter der Moderation von Johannes Lang (BINE Informationsdienst) diskutierten Prof. Manfred Hegger (HHS, TU Darmstadt), Prof. Dirk Müller (E.ON Energy Research Center), Prof. Jürgen Schmid (Fraunhofer IWES), Klaus Preiser (Badenova) und Dr. Knut Kübler (BMWi).

Prof. Hegger wünscht sich langlebige, einfache und robuste technischen Lösungen für die Gebäudetechnik. Im Idealfall wären sie so langlebig wie die Gebäude und ebenso einfach bedienbar. Für ihn sind hierbei rein elektrisch betriebene Gebäude eine von mehreren Optionen.

Prof. Müller sieht letztlich zwei Arten von Energiekonzepten für Gebäude: Zum einen seien das „Strom-Gebäude“, die insbesondere über Wärmepumpen mit Wärme oder Kälte versorgt werden. Zum anderen wird es Gebäude mit Kraft-Wärme-Kopplung geben, mit unterschiedlichen Varianten der Kraft-Wärme-Kopplung – allesamt stromgeführt und mit elektrischen Wirkungsgraden von mehr als 40 Prozent.

Klaus Preiser sieht die Wärmepumpen als Schlüsselkomponente von Nur-Strom-Gebäuden. Er stuft diese Technologie als ökologisch bedenklich ein, weil sie – bei den verbreiteten Vorzugskonditionen der Stromversorger – letztlich die aktuelle Kraftwerksstruktur mit zentralen Kohle- und Kernkraftwerken zementiere. Wärmepumpen seien zudem in den überwiegenden Fällen weder betriebswirtschaftlich noch volkswirtschaftlich sinnvoll.

 

 

Nach Prof. Schmid sollten elektrisch angetriebene Heizungssysteme nur bei sehr energieeffizienten Gebäuden wie beispielsweise Passivhäusern eingesetzt werden. Auch für Wärmepumpen sieht er hier das bevorzugte Einsatzfeld. Für den Gebäudebestand existiere ein großes Potenzial für die Kraft-Wärme-Kopplung, wobei die Brennstoffe aus regenerativen Quellen kommen sollten, insbesondere aus Biomasse.

Für Dr. Knut Kübler spricht vieles für eine Energiezukunft in einer "All-Electrical-World". Gerade im Gebäudebereich sei dieser Trend sichtbar. Allerdings rät er davon ab, alles auf eine Karte zu setzen. Mit einer "Vorsorgeforschung" müssen auch andere mögliche Energiewelten sondiert werden.

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass hier nicht jeder Bauherr seinen eigenen Weg gehen kann. Denn Wärme- und Gasnetze – auch die in Zukunft zu erwartenden Netze auf Basis von 100 Prozent erneuerbarer Energien – lassen sich erst ab einer bestimmten Energiebedarfsdichte wirtschaftlich betreiben. Hier müssen regionale Energiekonzepte entwickelt und abgestimmt werden, um je nach Standortgegebenheiten und Siedlungsstruktur optimale Gebäudekonzepte und Energieversorgungssysteme zu entwickeln. Hier fällt den Kommunen ein aktive Rolle zu, die sie in Zukunft stärker wahrnehmen müssen – darin waren sich – trotz aller Differenzen – alle einig.

 

» Viermal "Gebäude der Zukunft"

» Auf dem Weg zu klimaneutralen Gebäuden

» Abends von Brüssel nach Rosenheim

» Architektonischer Zehnkampf

» All-Electrical-World?

» Übersicht "Gebäude der Zukunft"


Zusätzliche Informationen:

SolarArchitektur hoch 4

In diesem Buch werden vier durch und durch innovative Gebäudeprototypen präsentiert. Auf 176 Seiten werden die Gebäudekonzepte in Text, Bild und zahlreichen Grafiken präsentiert und erläutert.

» Zum Buch
SolarArchitektur hoch 4