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Umbau - Maschinenhaus zu Bürogebäude in Einbeck

 

Projektbeteiligte:

Bauherr: KWS SAAT AG

Architekt: Bünemann & Collegen

Energieplaner: Büro für Wärmetechnik

Gebäudedaten:

Gebäudetyp: Bürogebäude

Standort: Grimsehlstrasse 31, 37555 Einbeck

Bruttogrundfläche: 6.088 m²

 

Jurybewertung

"Im komplexen Gefüge des Betriebsgeländes erfolgt die Umnutzung eines Maschinenhauses in ein zeitgemäßes Verwaltungsbau mit sowohl architektonisch als auch technisch überzeugendem Standard. Auf 6.200 m² BGF entstehen 120 Büroarbeitsplätze um ein zentrales Atrium über 4 Geschosse. In Ankopplung an ein externes Biogas BHKW und die Abwärmenutzung aus Betriebseinrichtungen (Drucklufterzeugung) erfolgt die Wärme- und Kälteversorgung über eine Bauteiltemperierung in neu eingefügten Geschossdecken. Das Raumklimakonzept wird durch eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung komplettiert. Dabei wird ein ehemaliger Förderbandkanal zum Erdkanal umgenutzt. Das Projekt ist Beispiel gebend für den ambitionierten Umgang mit gewerblichem Gebäudebestand bei sich wandelnden Nutzeranforderungen."

 

Projektbeschreibung

Gebäudekonzept

Die KWS Saat AG möchte an ihrem Hauptstandort in Einbeck ein bestehendes Maschinen- und Speichergebäude als Bürogebäude für den Bereich Forschung und Entwicklung umbauen. Als ältestes Gebäude auf dem Firmengelände aus dem Jahr 1946 besitzt es besondere Bedeutung für die Geschichte der KWS und steht für den erfolgreichen Neubeginn der Firma nach dem 2. Weltkrieg.

Das Gebäudekonzept setzt zunächst auf eine Begrenzung des Energiebedarfs und der thermischen Lasten durch geeignete bauliche Maßnahmen. Zu diesen Maßnahmen gehören neben einer kompakten und weitgehend gliederungsfreien Gestaltung des Baukörpers ein hoher Wärmedämmstandard, die Nutzung thermischer Speichermassen, ein abgestimmter Fensterflächenanteil und der Einsatz effektiver Sonnenschutzvorrichtungen. Die baulichen Maßnahmen sollen die Voraussetzung dafür schaffen, den anlagentechnischen Aufwand zur Energiebedarfs- bzw. Lastdeckung zu minimieren.

Energiekonzept

Das Energiekonzept sieht vor, standorteigene energetische Ressourcen in die Energieversorgung des Gebäudes einzubinden. Mit der Abwärmenutzung aus einem Drucklufterzeugungsprozess mit hoher Auslastung im Winterhalbjahr kann ein großer Teil des Wärmebedarfs gedeckt werden (ca. 75%). Ergänzt wird das Versorgungskonzept durch die Anbindung an die Energiezentrale des Unternehmens mit Biogas-BHKW und Absorptionskältemaschine (am BHKW).
Auch das Lüftungskonzept, das sich auf die Bereitstellung des Mindestaußenluftanteils beschränkt, sieht die Einbindung standorteigener Ressourcen vor. Die Vorkonditionierung der Zuluft erfolgt über einen nicht mehr genutzten "Bandkanal". Dabei handelt es sich um einen Erdkanal unter einer an das geplante Gebäude grenzenden Lagerhalle. Der Kanal wurde früher zum Saatguttransport über ein Förderband genutzt. Mit der geplanten Nutzung zur Zuluft-Vorkonditionierung lässt sich bei nur geringem investivem Mehraufwand eine jährliche Energieeinsparung von ca. 10% erzielen.

Trotz des reduzierten anlagentechnischen Aufwands werden in dem Gebäude gute thermische Komfortbedingungen erzielt. Simulationsrechnungen haben gezeigt, dass selbst in kritischen Nutzungsbereichen eine sommerliche Raumtemperatur von 26 °C in weniger als 10% der jährlichen Nutzungszeit überschritten wird. Die zu erwartenden sommerlichen Maximaltemperaturen liegen bei ca. 28 °C.

Mit einem Primärenergiebedarf von 38 kWh/m²a unterschreitet das geplante Gebäude die derzeitigen gesetzlichen Anforderungen nach EnEV um 74%. Dank der weitgehenden Deckung des Energiebedarfs aus Abwärme bzw. nachwachsenden Rohstoffen erfolgt die Energieversorgung CO2-neutral. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erfolgt der Einsatz von Bauteilen und Materialien mit langer Lebensdauer und möglichst geringem Instandhaltungsaufwand. Dazu zählt das Holz-Aluminium-Verbundfenster mit integrierten Jalousien, die witterungsgeschützt gleichzeitig einen variablen Sonnenschutz und den notwendigen Blendschutz der Büroarbeitsplätze darstellen sowie einen erhöhten Wärmeschutz bieten.


Zusätzliche Informationen: