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Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnhauses in Freiberg

 

Projektbeteiligte:

Bauherr: Dr. Holger Neuhaus

Architekt: Uwe Gerschler

Energieplaner: Institut für Bauklimatik, TU Dresden

Gebäudedaten:

Gebäudetyp: Wohngebäude

Standort: Donatsgasse 21, 09599 Freiberg

Bruttogrundfläche: 396 m²

Jurybewertung

"Die Wandlung eines kleinen 500 Jahre alten, denkmalgeschützten Wohnhauses in ein Nullenergiehaus überzeugt durch ein schlüssiges Konzept ohne grundlegende Ansprüche des Denkmals zu negieren. Die vorgeschaltete, unbeheizte Erschließungszone befreit die historische Straßenfassade von einer ansonsten notwendigen energetischen Sanierung. Auch wenn das saisonale Wärmespeicherkonzept für das 20 m² große Solarkollektorfeld technologisch nicht überzeugt, senken bauphysikalische, hochwertige Innendämmung, Kastenfenster und Wärmerückgewinnung den Heizwärmebedarf annähernd auf Passivhausniveau."

 

Projektbeschreibung

Gebäudekonzept

Mit der Sanierung soll der historische Charakter des Hauses erhalten bleiben. So soll beispielsweise die Gneiswand mit Fensteröffnungen auf der Frontseite freigelegt und für die Bewohner sichtbar bleiben. Der Eingangsbereich wird großzügig gestaltet, hier wird der Bewohner auf die Koexistenz von alt und neu vorbereitet. Zur Verbesserung des Wohnraumangebotes soll das Pultdach des Anbaus angehoben und mit einem begrünten Flachdach versehen werden. Weiter ist geplant, das Gebäude in drei separate Wohneinheiten zu teilen. Je nach Lebenssituation sind diese Wohnungen einfach zusammenzufügen, so dass eine großzügige Stadtwohnung entsteht. Die Anliegerwohnung ist rollstuhltauglich. Über das Hinterhaus sind die Wohnungen nach Nordwesten geöffnet, so dass der Blick über Feiberg und der Bezug zum Garten unmittelbarer Teil des Wohnempfindens sind. Die Dachwohnung hat durch eine Dachterrasse von 80 m² einen besonderen Charme.

Energiekonzept

Mit der Sanierung soll historisch bedeutsame Bausubstanz erhalten und zugleich heutige Ansprüche an energiesparendes und Ressourcen schonendes Bauen und Wohnen erfüllt werden. Das soll mit folgenden Maßnahmen erreicht werden:

Orientierung an Passivhausbauweise - soweit möglich: Es kommen Komponenten und Maßnahmen zur Anwendung, die aus der Passivhausbauweise bekannt sind, so die Reduzierung oder Beseitigung von Wärmebrücken in der Altbausubstanz, die Dämmung der Außenwände (Ziel: U < 0,1 W/m²K), passivhaustaugliche Kastenfenster mit zwei Scheiben in Doppelverglasung, da diese besonders gut zu den tiefen Fensternischen des Altbaus passen, Luftdichtheit und ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung. Mit diesen Maßnahmen soll der Heizenergiebedarf auf 24 kWh/m²a reduziert werden.

Nutzung von Brauchwasser-Abwärme: Hierzu fließen die warmen Abwässer in ein biologisches Klärbecken im Heizungsraum. Das Wasser kühlt hier auf Raumtemperatur ab, die Wärme wird über das Lüftungssystem im Haus verteilt. Der Heizenergieverbrauch kann durch diese Maßnahme um etwa 6 kWh/m²a reduziert werden. Das Wasser soll dann für die Toilettenspülung genutzt werden. Zuvor wird es jedoch über eine Fußbodenheizung durch das untemperierte Atrium geleitet und gibt dort einen weiteren Teil seiner Wärme ab. Die so geschaffene kontinuierliche Niedertemperaturbeheizung trägt dazu bei, Schimmelbildung zu vermeiden und die thermische Pufferwirkung für das Haupthaus zu verbessern.

Solarthermische Wärmeerzeugung: Für die Solarthermie stehen 20 m² Dachfläche in Südorientierung mit einer Neigung von 43° zur Verfügung. Die Solarenergienutzung ist voll in die Dachhülle integriert, so dass sie als Dachhaut fungiert.

Photovoltaische Stromerzeugung: Eine dachintegrierte Photovoltaikanlage deckt darüber hinaus in der Bilanz den Strombedarf des Gebäudes. Für die Photovoltaik stehen etwa 30 m² Gaubenfläche zur Verfügung. Die volle Dachintegration und ein einheitliches Montagesystem für die Solarthermie- und die Photovoltaikanlage sorgen für ein ästhetisches Erscheinungsbild auf dem denkmalgeschützten Gebäude.


Zusätzliche Informationen: