Hauptinhalt:
Kunst- und Musikschule Wuppertal

Auch im Entwurf der Wuppertaler Studenten zeigt sich der Wunsch neueste Bautechnologie mit baukulturellem Erbe zu verbinden, alte Fassaden zu schützen und mit neuem Innenleben zu füllen. Das seit 1990 leerstehende Fabrikgebäude soll in seinem Charme erhalten bleiben und zu einer Kunst- und Musikschule, mitsamt ihren vielfältigen Anforderungen umgenutzt werden. Charakteristisch für den Entwurf sind eingeschobene Boxen, die das Gebäude gliedern.
So urteilte die Jury:
"Das offene Raumkonzept sieht vor, dass Sondernutzungen in den eingestellten Glasboxen untergebracht werden, die gesondert belüftet werden können. Die auf dem Dach vorgesehen Photovoltaikanlage deckt ca. 70% des Strombedarfs der Gebäudetechnik. Die Tageslichtversorgung der eingestellten Boxen bedarf einer Überprüfung auf Grund der mehrfachen Glasebenen. Die in der Innenhofansicht gezeigte Leichtigkeit und Transparenz der 'zweiten Haut' ist wünschenswert, muss aber unter Beachtung der vorhandenen Eigen- und Windlasten überprüft werden. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Gestaltung des Außenraums im Hof ist im Rahmen einer weiteren Durcharbeitung zur Optimierung der Gesamtqualität des Ensembles zu empfehlen."
Gebäudekonzept
Die Kunst- und Musikschule benötigt eine Mischung aus großen und weiten sowie auch kleinen Räumen. Charakteristisch für das Entwurfskonzept sind eingeschobene Boxen, die den großen Raum gliedern. Die Boxen haben je nach Nutzung unterschiedliche Abmessungen. Die Erschließung der fünfgeschossigen Schule erfolgt über die bestehende Durchfahrt. Die Schüler und Besucher werden zunächst vom Straßenraum in den Innenhof geleitet. Durch eine vorgestellte, überdachte Einscheibenverglasung gelangt man von der Terrasse in den Eingangsbereich der Kunst- und Musikschule. Dieser kann in den Abendstunden als Veranstaltungsfläche (Tanzbar) genutzt werden. Vom Erdgeschoss führen zwei Haupttreppenhäuser und ein Nebentreppenhaus, welche als Fluchttreppenhäuser ausgeführt werden, durch das gesamte Gebäude. Die Obergeschosse 1 bis 3 sind prinzipiell gleich aufgebaut. Eine offene Erschließungszone verläuft zwischen den beiden Haupttreppenhäusern. Im neu aufgesetzten 4. Obergeschoss entsteht ein großzügiger stützenfreier Veranstaltungsraum mit Dachterrasse zur Vermietung für verschiedene Veranstaltungen oder Aufführungen mit einmaliger Lage an der Strecke der Schwebebahn. Eine Bar als Box ist ebenfalls vorhanden und bietet Durchgang zu einer weiteren Dachterrasse.
Energiekonzept
Die für Wuppertal typische Klinkerfassade soll als baukulturelles Erbe erhalten bleiben. Deshalb wird das Gebäude von innen mit Kalziumsilikatplatten gedämmt, welche diffusionsoffen und kapillarleitend sind. Dem Nachteil der vergleichsweise hohen Wärmeleitfähigkeit steht das „gutmütige“ Feuchteverhalten - vor allem bei Altbauten - gegenüber. Die bestehende Fensterverglasung wird entfernt und durch eine Dreischeibenverglasung ersetzt. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, wird das vierte Obergeschoss entfernt und durch eine Stahl-Glas-Konstruktion ersetzt, um die Attraktivität und Identität der Kunst- und Musikschule zu erhöhen. Im Dachgeschoss wird Vakuumverglasung verbaut. Aufgrund des Vakuums kann mit zwei Scheiben eine geringere Dicke und ein geringeres Gewicht bei gleichem U-Wert wie bei einer Dreischeibenverglasung erreicht werden.
Eine Solarstromanlage ist zur Stromerzeugung vollflächig horizontal auf dem Dach installiert. Der Jahresstrombedarf wird so zu etwa 70% gedeckt. Zur Heizung der Kunst- und Musikschule Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Das gesamte Gebäude wird über industriell anmutende Rippenrohrheizkörper an den Außenwänden beheizt.



